Vor vielen Jahren übernachtete ich mit meinem Mann in unserem Campingbus. Ich erwachte in der Nacht mit starken Schmerzen im unteren Bauch. Es war stockfinster. Ich konnte mich nicht rühren, fühlte mich wie gelähmt. Und spürte immer mehr Angst, starke Angst. Auch Angst zu sterben. Ich lag weiter völlig starr, weckte auch nicht meinen Mann. […]
Kapitel
Vor mehr als 20 Jahren begann ich eine Therapie, um insbesondere, aber nicht nur, die in meiner Kindheit erlebte sexuelle Gewalt zu bearbeiten. Ich erinnere noch sehr deutlich die schwierigen Jahre, mit all meiner Verzweiflung und der großen Angst, mir wird es nicht besser ergehen, ich komme da nicht […]
Hier stelle ich insbesondere meine Ursprungsfamilie vor und kommentiere, wie ich sie früher jeweils erlebte.
Bereits beim Erstgespräch hatte ich meiner späteren Therapeutin gegenüber erwähnt, dass ich von meinen beiden ältesten Brüdern als kleines Mädchen sexuelle Gewalt erlebte… In diesem Kapitel gehe ich insbesondere auf Themen ein, die die sexuelle Gewalt unter Geschwistern betreffen, wie beispielsweise die Fragen: Wie alt waren die Brüder, wie alt war ich? Verändert das Wissen […]
Nachdem ich das Alter meiner Brüder zum Zeitpunkt der Übergriffe geklärt hatte, konnte ich in der Therapie zum ersten Mal zaghaft und mit viel Scham von dem Erlebten mit Bernd berichten… Bereits in diesem Kapitel geht es auch darum: Habe ich mich gewehrt?
Hier geht es um die Übergriffe durch meinen Bruder Adolf, wie ich darüber in der Therapie berichte und wie ich das bearbeite und verarbeite.
‚…und vielleicht war da noch was!‘, so meine mich selbst überraschende Aussage in der ersten Therapiestunde. Und dann ein Traum… und jahrelanges Arbeiten in der Therapie, bis ich meinen Erinnerungen Glauben schenken konnte. Ich beschreibe alle seine Taten, auch wie ich mich diesen Situationen näherte – durch Träume, Malen, Kneten und andere Formen des Erinnerns. […]
Beim Durchsehen meiner Aufzeichnungen der ersten Therapiejahre erschien mir meine Mutter konturlos. Das veränderte sich. Ihr Verhalten, ihr Anteil an dem Geschehenen und an den Folgen treten mit den zunehmend deutlicheren Erinnerungen an die Taten meines Vaters immer mehr in den Vordergrund…
Die Unmöglichkeit oder Schwierigkeit, zu erinnern und zu reden, ist eine der Auswirkungen der sexuellen Gewalt. Das familiäre Schweigegebot ist aber mehr noch ‚Teil der Taten‘, die ohne die Drohungen und Ignoranz zumindest nicht häufiger hätten stattfinden können.
Wie reagierten Familie und FreundInnen, nachdem ich endlich über die Gewalterlebnisse reden konnte und geredet habe? Die Reaktionen reichten von ‚was willst du denn jetzt noch damit?‘ und ‚wieso hast du nicht schon früher was gesagt?‘ bis hin zur Bedrohung meines Lebens.Wie habe ich es dennoch geschafft, die Eltern und die Brüder mit den Taten […]
Ich unterscheide zwischen den Auswirkungen, die bereits vor der Therapie aufgetreten waren, und denen, die während der Therapiezeit auftauchten oder bewusst wurden. Es geht u.a. um die furchtbaren Ängste, um meine Wut und um die Zweifel an meinen Erinnerungen. Bei den Zweifeln erkenne ich auch den Schutz, den sie bieten, um das Erinnerte verkraften zu können, und dass es […]
…während der Zeit der Therapie Ich schreibe über das, was mir half, all das Schwere und Schlimme auszuhalten, zu verkraften und auch mal wieder zu verdrängen. Zu der Zeit, als ich mich immer mehr auf meine Gefühle und meine Erinnerungen einließ und es mir besonders schlecht ging, fiel mir manchmal gar nichts ein, was mir […]
In fast allen Kapitel wird das Verhalten der Therapeutin und ihre Arbeitsweise sehr deutlich, aber ich kommentiere oder erwähne dabei nicht immer explizit, wie das jeweilige Verhalten auf mich wirkte. Außerdem sind in diesen Kapiteln viele relevante Aspekte nicht erwähnt. Auch deshalb gehe ich in dem Kapitel ‚Die Therapie und die Therapeutin‘ nicht nur kurz […]
Ich berichte davon, was der Schreibprozess bei mir bewirkte und welche Bedeutung das Schreiben für mich hatte. Beim Verfassen des Buches vertieften sich nicht wenige meiner damals gewonnenen Erkenntnisse. Manches wurde mir noch klarer oder ich konnte es nun neu oder richtig einordnen, anderes überhaupt erst in der ganzen Dimension erfassen. Bei letzterem denke ich […]
Im Nachwort geht meine Therapeutin, Frau Prof. Dr. Helga Krüger-Kirn, auf einige Aspekte des Therapieprozesses ein.
Ann Salandre Die Rückeroberung des Lebens Einblicke in eine Therapie nach sexueller Gewalt in der Familie (276 S., gebunden, 34,50 €, ISBN 978-3-89334-657-8). Das Buch ist über den Buchhandel erhältlich oder kann direkt beim Asanger Verlag bestellt werden.